Bilder ohne Titel
Der Titel eines Bildes schränkt die Phantasie des Betrachters unwillkürlich ein. Die eigenen Emotionen werden in von außen vorgegebene Bahnen gelenkt. Der Betrachter sucht die Sicherheit, ein Kunstwerk zu „erkennen“ oder zu verstehen: in Erläuterungen des Künstlers oder Kunstexperten, im Titel eines Bildes oder einer Ausstellung.
Ohne Vorgaben, was ein Bild darstellen oder ausdrücken soll oder was der Künstler bei der Erstellung gedacht und gefühlt hat, sind viele Betrachter eines Kunstwerkes unsicher oder hilflos. Dabei findet man den Zugang zu einem Kunstwerk in sich selber.
Es ist völlig irrelevant, was sich der Künstler beim Malen eines Bildes gedacht hat oder was er darstellen möchte. Relevant ist dagegen, wie ein Bild auf die Menschen wirkt. Diese Wirkung ist von der Intention des Künstlers völlig unabhängig. Eigene Erlebnisse und Erfahrungen lösen bei jedem individuell unterschiedliche Emotionen und Assoziationen aus. So empfindet der eine die Farbe Rot als aggressiv, der andere als dynamisch; für viele ist Rot die Farbe der Liebe, bei anderen steht sie für Blut.
Bilder ohne Titel sollen Menschen anregen, in sich hineinzuhorchen, eigene Gefühle und Assoziationen zuzulassen. Bilder ohne Titel können Emotionen auslösen und damit zur Reflexion der eigenen Persönlichkeit führen.